2009/ Gerhard Tritsch - 50 Jahre Chorleiter beim Liederkranz Bischweier

Der Vorstand Otto Maier und der Schriftführer Helmut Kohm hatten 1959 Verbindung zu Gerhard Tritsch aus Durmersheim, einem jungen Dirigenten aufgenommen. Nach einer Probesingstunde und Vorstellung bei den Sängern, trat Herr Tritsch am 1. Sept. 1959 die Stelle als Dirigent beim Liederkanz Bischweier an. Der neue Dirigent hatte schon bei seinem Heimatverein Harmonie Durmersheim die ersten Verdienste verdient und wurden von Kreischorleiter Rudolf Moritz, seinem Lehrmeister, wärmstens empfohlen.

Nach vielen intensiven Proben konnte im März 1961 das erste Konzert unter der Leitung unseres jungen Dirigenten im Saalbau zur Sonne stattfinden. Die Chorwahl und der schöne Gesang fanden allgemeines Lob und große Anerkennung. In den weiteren Proben bereitete sich der Chor auf die verschiedenen Auftritte bei Kritiksingen vor. Unser Gesang machte überall einen guten Eindruck.

Hierzu schreibt der Schriftführer Helmut Kohm im Protokollbuch folgendes: "Herr Tritsch hat in den Proben von den Sängern alles abverlangt und es konnte nichts mehr schief gehen. Als unser Auftritt kam, gab jeder sein Bestes, was hier festgehalten sei. Die Kritik soll Zeugnis geben vom Geleisteten und auch vom Können unseres jungen Dirigenten. Möge er uns erhalten bleiben. Das sei der Wunsch des Schreibers." Das schrieb unser Helmut 48 Jahre vor dem 50. Dirigentenjubiläum von Herrn Tritsch.

Das nächste Konzert, das Herbstkonzert 1963, musste schon in der alten Turnhalle stattfinden, damit man für die große Zahl der Zuhörer bessere Platzverhältnisse hatte. Es war in allen Teilen sehr gut vorbereitet und es gab lang anhaltender Beifall. Die Mühen in den Proben wurden voll belohnt. Besonders der neu einstudierte Schlusschor "Nachthelle" von Schubert, ein Wechselgesang zwischen Solotenor, Hans Seiter, und dem Chor, stellte höchste Ansprüche an alle Beteiligten.

Die nächste große Herausforderung hatte unser Chor in der Stadthalle in Karlsruhe zu bestehen. Auf Wunsch unseres Dirigenten hat der Verein eine Einladung des Sängerkreises Karlsruhe angenommen, um als Gast am Kritiksingen teilzunehmen. Die vielen Proben haben sich gelohnt und der Chor konnte einen Erfolg erringen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Er kann stolz auf seine Leistung und seinen Dirigenten sein. In der Kritik wurde geschrieben: Die Chöre "Schöne Nacht" und "Nachthelle" standen ganz im Geiste Schuberts, der Solist schwebte über dem Chor, ebenso der Pianist hervorragend, der Chor einmalig, das schönste Geschenk das der Liederkranz überbringen konnte, alle Achtung vor dem jungen, talentierten Chorleiter, eine der besten Leistungen des Tages.

Es war eine Selbstverständlichkeit, dass unser Chor, bei der Hochzeit von Herrn Tritsch ihre schönen Lieder erklingen ließen.

Herr Tritsch hielt uns, auch mit Sonderproben immer in Hochform, so dass wir auch eine Einladung aus dem Ausland annehmen konnten. Für August 1965 bekam unser Chor eine Einladung vom Gesangverein Drusenheim im Elsaß. Bei einem herrlichen Sommerfest bekam unser Vorstand Otto Maier, von höchster, französischer Stelle, ein Medallion und Ehrendiplom überreicht für seine Verdienste und die Deutsch-Französische Verständigung. Nur ungern trennte man sich am Abend von den elsässischen Gastgebern. Ein Goggomobil hatte einige Schwierigkeiten den Heimweg zu finden.

Bei einer Verwaltungsratsitzung wurde auch über den Wunsch unseres Dirigenten wegen eines Frauenchores, mit etwa 25 guten Sängerinnen diskutiert. Letztendlich übernahm der Sängervorstand Eduard Rost die Aufgabe, verschiedene Frauen auch vom Kirchenchor anzusprechen und fast alle waren bereit beim Liederkranz zu singen.

Im November 1965 hatte der neu gegründete Frauenchor, gut vorbereitet mit vielen Proben, seinen ersten Auftritt, zusammen mit dem Männerchor. Die kirchenmusikalische Feier zum Totensonntag in der Pfarrkirche St. Anna war eine gute Gelegenheit den gemischten Chor und sein Können der Öffentlichkeit vorzustellen.

Der damalige Pfarrer Ferdinand Nörber war vom Gesang des Liederkranzes sehr angetan und er äußerte den Wunsch, dass unser gemischter Chor doch die Christmette mitgestalten möge. Das Jahr 1966 diente allein den umfangreichen Vorbereitungen des Jubiläumsfeste 90 Jahre Liederkranz Bischweier.

1967 neunzigjähriges Stiftungsfest Liederkranz Bischweier

Den gebührenden Beginn des Jubelfestes machte man mit dem Festgottesdienst am 9.7.1967. Der gemischte Chor sang in Begleitung durch das Streichorchester Weingarten, sehr gut vorbereitet von unserem Festdirigenten Gerhard Tritsch folgende Chöre: "Wir treten zum Beten" von Kurt Lissmann, "Gott ist mein Hirt" von Franz Schubert, die Graduale "Gnädig und barmherzig" von A.E. Grell, Solo Gebhard Müller, "Ave Verum" von W.A. Mozart, "Sancta Maria" von Johannes Schweizer, sowie das "Halleluja" aus der Messias von Händel. In würdiger Weise und großer Feierlichkeit war der Anfang des großen Festes gemacht. Alle Beteiligten waren sehr zufrieden und die Zuhörer waren begeistert. Pfarrer Ferdinand Nörber ging in seiner Festpredigt speziell auf die Situation und die Vorbereitungen im Gesangverein ein. Hier noch ein paar Sätze daraus: Ich Habe mich in diesen tagen oft gewundert wenn am Nachmittag der Lautsprecher (Ortsrufanlage) kam und verkündet hat, mitten in der Heuernte und der Kirschenzeit, heute Abend Probe für den Gesamtchor. Da kann ich nur sagen, nach der Arbeit im Geschäft und in der Fabrik und anschließend auf dem Feld; ja wahrhaftig da wird ein Opfer und eine Mühe für eine gute Sache gebracht - alle Hochachtung. Deswegen möchte ich in euer aller Namen dem Gesangverein und all denen die sich bemühen für diese gute Sache, von Herzen danken. Anschließend war Totenehrung für alle Gefallenen und Verstorbenen des Vereins auf dem Friedhof.

Am nächsten Wochenende, vom 15.bis 17. Juli 1967 feierten wir das große Jubiläumsfest. Eine glanzvolle Feierstunde, zu Ehren des deutschen Chorgesangs war das Festbankett am Samstagabend. Der Jubelverein bewegte sich mit 32 Sängerinnen und 55 Sängern, angeführt von der Musikkapelle Bischweier, in das riesige, wunderbar geschmückte und schon restlos besetzte Festzelt. Der Jubelchor war es auch, der mit sehr schönen Liedvorträgen, begleitet vom Streichorchester Weingarten, unter der Gesamtleitung des Festdirigenten Gerhard Tritsch, die Feierlichkeiten eröffnete. Zum Vortrag kamen die Chöre: "Dir Seele des Weltalls" von W.A. Mozart, "Nachthelle" von Franz Schubert mit Tenorsolo und Klavier, "Im Dorf da geht die Glocke schon" von B.Weber; gemeinsam mit dem Frohsinn Weingarten "Der Friede lebe" von W.W. Mozart mit vier Solostimmen, Sopran eine Sängerin aus Weingarten, Alt Irmgard Kottler, Tenor Hans Seiter und Bariton Gebhard Müller. Das restliche Programm wurde von sechs befreundeten Gastvereinen gestaltet. Alles in allem war der Abend eine glanzvolle Demonstration für das deutsche Lied.

Am Sonntag, pünktlich um 8 Uhr, begann, bei herrlichstem Wetter, das Ehrensingen der 23 Gastvereine. Am Nachmittag bewegte sich ein fröhlich singender und musizierender Festzug durch das festlich geschmückte Dorf. Insgesamt waren wider 23 Vereine unterwegs zum Festzelt. Drinnen und draußen im Schatten er mächtigen Kirschbäume, um bei schönem, warmen Wetter, ein buntes Fest zu feiern. Auch der Montag brachte, nach dem Kinderumzug, noch mal eine große Menschenmenge in das Festzelt, die bis in die späten Abendstunden gute Unterhaltungen hatten. Zu allem Übel ging an diesem Abend noch das Bier aus, so dass der Notdienst der Brauerei alarmiert werden musste. Zwischenzeitlich waren schön sämtliche Bierlager der hiesigen Wirtschaften geleert worden. Der Chronist Helmut Kohm schrieb als Resümee des großen Festes: Ein schönes harmonisches Jubelfest ging zu Ende, möge es Verpflichtung sein für jedes Mitglied, für jeden Sänger mit zu schaffen am Fortbestand des nun 90 Jahre alten Gesangvereins Liederkranz Bischweier, zur Ehre des Deutschen Liedes aber auch zur Ehre der Gemeinde. Möge Gott es walten, dass ein guter Geist weiterhin über dem Verein stehe, um in zehn Jahren auch das hundertjährige Jubiläum dem Liederkranz beschieden sein möge.

Die folgenden Jahre verliefen etwas ruhiger, mit Besuchen von Vereinsfesten von befreundeten Vereinen. Aber in den Proben wurde immer voll konzentriert gearbeitet. Herr Tritsch ließ keine Schlamperei zu. Er fragte auch nach jedem der fehlte, denn er kannte ja inzwischen alle Sängerinnen und Sänger mit Namen. Im Jahre 1970 haben wir mit mehreren Intensivsingstunden den Auftritt in der Christmette vorbereitet. Hierzu lautet im Protokollbuch Protokollnotiz Nr. 14/1970 kurz und bündig: Feierlich Umrahmung der Christmette durch Sängerinnen und Sänger des Gesangvereins. Ein lang gehegter Wunsch unseres Seelsorgers (Pfarrer Ferdinand Nörber) ging in Erfüllung, die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt. Der Pfarrer lädt am 20.12.1970 wie folgt, zu diesem Anlass ein: Wir freuen uns alle auf das Geburtsfest des Herrn. Diese Freude wird der Gesangverein Bischweier in der künstlerischen Form des Liedes und Chores in der Christmette zum festlichen, weihnachtlichen Erlebnis werden lassen.

Nach den Feiertagen schrieb Pfarrer Nörber folgende Dankadresse an den Gesangverein: "Der Gesangverein Bischweier hat es verstanden, unter der meisterhaften Stabführung seines Dirigenten Herrn Tritsch die Christmette, auch von der musikalischen Seite zu einem innigen Weihnachtserlebnis werden zu lassen. Dafür sei dem Gesangverein und vor allem Herrn Tritsch für die gewissenhaft und gediegene Vorbereitung und Aufführung recht herzlich gedankt. Es war deshalb eine Selbstverständlichkeit, dass der Liederkranz, über viele Jahre, die Christmette mit seinem Chorgesang begleitete.

1977 - Das 100-järige Bestehen soll mit einem großen Fest gefeiert werden. Es begann am 18. Mai mit einem feierlichen Gottesdienst. Anschließend Totenehrung und Ehrenabend in der Markthalle. Das eigentliche Fest wurde vom 11. - 13.6. gefeiert. Die Gemeinde unter Bürgermeister Josef Schiel hatte bei der neu erbauten Schule einen großen Schulhof geschaffen, auf dem das große Festzelt aufgestellt wurde. Es begann am Samstagabend mit dem Festbankett und der Verleihung der Zelterplakette durch Herrn Landrat Dr. Würfel. Am Sonntag war ab 8 Uhr Ehrensingen. Am Nachmittag bewegte sich ein Reisenfestzug durch das festlich geschmückte Dorf. Anschließend war noch mal Freundschaftssingen von 9 Vereinen im Festzelt und Unterhaltung. Am Montag war nach dem Frühschoppen am Nachmittag Kinderumzug und am Abend Festausklang mit den "Murgtalperlen" vom Musikverein Bischweier. Das große Fest war ein vielseitig, musikalisches Ereignis mit großem wirtschaftlichen Erfolg.

1982 am dritten Adventsonntag war die erste Aufführung, der frisch einstudierten, "Friedensmesse" von Gotthilf Fischer, in der Pfarrkirche "St. Anna". Nach dem Konzert gratulierte Gotthilf Fischer persönlich dem Chor und besonders Herrn Tritsch für diese großartige Leistung. Die Presse war voll des Lobes über dieses seltene Ereignis.

1990 machte der Gesangverein die erste siebentägige Reise nach Rom, die ewige Stadt. Großen Eindruck machten auf die 97 Teilnehmer die Besichtigungsfahrten durch diese interessante Stadt. Das absolut größte Erlebnis für alle Sängerinnen und Sänger und erst recht für unseren Dirigenten, war unser Gesang im Petersdom. Unser Chor konnte hier, begleitet vom Domkapellmeister, eine Bischofsmesse mitgestalten.

1993 auch bei der 750-Jahrfeier der Gemeinde Bischweier beteiligte sich der Gesangverein beim Heimatabend und bei dem großen Festumzug.

1995 machte unser Chor, mit nahezu 100 Teilnehmern, die nächste sechstägige Reise nach Ungarn. In der Matthiaskirche in Budapest, hatte Herr Tritsch für seinen Chor einen ganz besonderen Auftritt vorbereitet. Am Sonntag um 12 Uhr gestalteten wir, in Begleitung eines ungarischen Organisten, auf einer der größten Orgeln Europas, das Hochamt, mit der Friedensmesse. Dieser Auftritt war für alle Teilnehmer eine bleibende Erinnerung. Die Stadtbesichtigung und die abendliche Dampferfahrt auf der Donau, hinterließen einen besonderen Eindruck. Die Tagesfahrt in die Puszta, mit gutem Essen, reichlich Wein und anschließender Volksbelustigung mit Zigeunermusik, sowie Pferdereiten einiger Sänger und Kutschfahrt durch die Puszta, waren noch mal ein tolles Erlebnis.



2005 führte uns die nächste Sängerreise nach Wien. An Pfingsten haben wir in der Karlskirche, der Krönungskirche der Österreichischen Könige, die Friedensmesse von Gotthilf Fischer aufgeführt. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr war das Auftreten unseres Chores im Dom zu Speyer. Auch hier sangen wir die " Friedensmesse" wobei der Komponist Gotthilf Fischer persönlich anwesend war. Vom Generalvikar Peter Schappert, vom Speyerer Dom und Gotthilf Fischer bekamen wir und besonders Gerhard Tritsch, ein besonders Lob.

Gerhard Tritsch - 50 Jahre Chorleiter, seit 1977 Ehrenchorleiter

50 Jahre, ohne Unterbrechung, Chorleiter beim Liederkranz zu sein, verdient gebührenden Dank und Anerkennung. Der Gesangverein Liederkranz bedankt sich hiermit bei Ihnen, für die vorzügliche Arbeit, die Sie in all den Jahren für unseren Verein leisteten. Sie haben mit Ihrem musikalischen Wirken die erfolgreiche Entwicklung und das Ansehen, auch Außerorts, unsere lange Vereingeschichte mitgetragen und geprägt. Als ganz besondere Leistung, in diesen 50 Jahren muss noch herausgestellt werden: Sie waren immer da, bei Sonderproben vor Konzerten, bei besonderen Auftritten in der Kirche, bei Hochzeiten, goldenen Hochzeiten, bei Vereinsfesten, Geburtstagen usw. Dabei spielte die Einstellung der Sängerinnen und Sänger zum Chorgesang und in den zwischenmenschlichen Beziehungen eine ganz große Rolle. Hier muss auch erwähnt werden mit welcher Harmonie innerhalb von Vorstandschaft, Sängern und Dirigent, die vergangenen Jahre mit ihren großen Aufgaben, gemeistert wurden.

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